Selbstfürsorge

Das Unperfekte lieben lernen

Vor ein paar Tagen habe ich durch eine unbedachte Äußerung einen anderen Menschen, der mir sehr am Herzen liegt, verletzt. Ich konnte förmlich spüren, wie sich in ihm alles verschloss, wie sehr ihn das traf …

Alexandra Cordes-Guth
Alexandra Cordes-Guth
Systemische Therapeutin & Coach
16. Oktober 2015
2 Min. Lesezeit
Das Unperfekte lieben lernen

Vor ein paar Tagen habe ich durch eine unbedachte Äußerung einen anderen Menschen, der mir sehr am Herzen liegt, verletzt.

Ich konnte förmlich spüren, wie sich in ihm alles verschloss, wie sehr ihn das traf, was ich sagte.

Er hatte gerade eine sehr anstrengende und schwierige Woche mit großen Herausforderungen bewältigt und hätte ganz sicher meine Wertschätzung und Aufmerksamkeit für seine Situation und das, was er geleistet hat, gebraucht.

Stattdessen sprach ich an, was er noch tun müsste, stellte mich dadurch über ihn, statt an seiner Seite zu bleiben.

Lähmende Selbstkritik

Von Tag zu Tag wurde mir bewusster, wie wenig emphatisch mein Verhalten war und in mir breitete sich ein mir nur allzu bekanntes Gefühl aus.

Ich verurteilte mich selbst aufs Schärfste für mein Verhalten und verfiel in massive Selbstkritik, die mich innerlich immer kleiner und gelähmter werden ließ.

Wertschätzung für das eigene Fehlverhalten

Bis mir bewusst wurde, dass ich den schmerzlichen Kreislauf aus Verletzung und Schuldgefühlen nur unterbrechen und für Frieden sorgen kann, wenn ich mir selbst auch mit diesem Fehlverhalten Wertschätzung entgegenbringe.

Wenn ich Mitgefühl mit mir selbst aufbringe und die inneren Anteile, die ich eigentlich ablehne, integriere. Die Besserwisserin in mir, die Gute-Ratschläge-Geberin, die Ungeduldige.

Und diese Anteile gemeinsam mit den anderen Anteilen im Blick habe, die meinem Gegenüber zugewandt sind, mitfühlen und in Verbindung gehen können.

Die Muster unterbrechen, die lähmen

Damit die alten Muster unterbreche, die mir sagen, dass ich perfekt sein muss und keinen Fehler machen darf. Die mich lähmen und mir nicht erlauben mich zu entwickeln. Unser persönlicher Entwicklungsprozess wird immer unperfekt sein.

Uns selbst mit Mitgefühl begegnen

Nur wenn wir uns selbst mit Mitgefühl begegnen, können wir die Schmerzen des Versagens als Teil des Lebens sehen, uns mit anderen Menschen verbunden fühlen und uns einen guten Boden für unser Wachstum geben.

Und anderen Menschen mehr und mehr unser Herz öffnen und ihnen die Wertschätzung entgegenbringen, die ihnen Vertrauen gibt und sie in ihrem Ich-sein stärkt.

Herzliche Grüße

Alexandra Cordes-Guth
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Über die Autorin

Alexandra Cordes-Guth

Systemische Therapeutin (SG), Schreib- und Poesietherapeutin. Seit 2005 begleite ich Menschen dabei, gelassener mit beruflichen Herausforderungen und eigenen Selbstzweifeln umzugehen. Autorin von 6 Büchern und Entwicklerin der Glückskindstrategie.

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